Rezension Codebreaker

“Escape Room”-Spiele erfreuen sich ja nach wie vor einer großen Beliebtheit. Und wie es halt immer so ist, wenn irgendetwas sehr erfolgreich ist, wird versucht, damit auch weitere Käuferschichten anzusprechen. Bei “EXIT – Das Spiel” wurden recht bald drei Labels mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen geschaffen, und mit dem “Einsteiger”-Level auch auf jüngere Spieler (ab 10 Jahren) gezielt. Eine weitere Herabsetzung des Schwierigkeitsgrads wird vom Verlag wohl als nicht sinnvoll erachtet, vielleicht auch weil es für diese Altersgruppe schwierig ist, für einen ganzen “Escape Room” die Konzentration länger als 30 Minuten zu halten.

Um noch jüngere Kinder – schon ab 7 Jahren – zu erreichen, probiert es Kosmos Spiele daher auf andere Weise: In “Codebreaker” müssen die Kinder nur jeweils ein kurzes Rätsel lösen, um mit dem geknackten Code ein elektronisches Schloss öffnen zu können.

Die Rätsel kommen auf Rätsel-Karten in vier Schwierigkeitsstufen vor. Die gewählte Karte wird von oben in den Schlitz des elektronischen Schlosses gesteckt. Nachdem sich die Kinder für den Spielmodus (5-Minuten-Timer oder 20-Minuten-Chrono) entschieden haben, drücken sie den roten Startknopf, und die Zeit läuft!

In jedem Rätsel – egal ob verschlüsselte Wörter, verlorene Buchstaben, verrückte Zahlen, o. ä. – werden drei Hinweise gesucht: eine Farbe, ein Gegenstand und etwas Essbares. Finden die Kinder die gesuchten Begriffe, müssen diese noch auf den Hinweisplättchen entdeckt werden. Nur wenige Begriffe sind jedoch auf einen Blick zu erkennen, für die meisten werden die beigefügten Detektiv-Werkzeuge (UV-Taschenlampe, Rotfilter und Spiegelfolie) benötigt.

Um das Schloss öffnen zu können, müssen die Kinder nur noch die Zahlen, welche auf den passenden Hinweisplättchen angegeben sind, in das Schloss eingeben. Ist der Zahlencode falsch, verlieren sie wertvolle Sekunden. Ist er hingegen richtig, öffnet sich das Schloss, und die Kinder haben sich den Titel des Meisterdetektivs redlich verdient.

Das Spielmaterial ist wirklich gut gelungen und lädt die Kleinen sofort zum Spielen ein. Das elektronische Schloss – ein Blickfang – hat eine eingebaute Uhr, die man entweder auf “Timer” einstellen kann, bei dem ein Countdown von 5 Minuten zu laufen beginnt, innerhalb dessen die Aufgabe gelöst werden muss. Oder man stellt auf “Chrono”, bei dem einfach die benötigte Zeit (max. 20 Minuten) gestoppt wird.

Die Rätsel-Karten haben am unteren Rand, mit dem sie in den Schlitz des Schlosses geschoben werden, eine Codierung in schwarze und weiße Felder, welche zur Identifizierung des Rätsels und somit auch für die Aktivierung des entsprechenden Zahlencodes dient. Mathematisch ergibt die Einteilung in 6 Bereiche 64 Möglichkeiten, welche mit den beinhalteten Karten fast zur Gänze (30 Karten mit Vorder- und Rückseite) ausgenutzt werden.

Das sogenannte “Detektiv-Werkzeug” dient dazu, die Hinweisplättchen lesen zu können, deren Begriffe bei mehr als der Hälfte der Plättchen erst durch den Einsatz von UV-Licht, dem Rotfilter oder der Spiegelfolie erkennbar werden. Das Suchen der gelösten Begriffe kann deshalb manchmal recht zeitaufwändig und stressig sein, besonders wenn die Kinder nicht systematisch vorgehen und die Hinweisplättchen wild durcheinander untersuchen. Zum Glück helfen die farbigen Ränder der Plättchen, an denen man zumindest ablesen kann, um welche Kategorie es sich handelt (Regenbogenfarben für die Farben, Orange für einen Gegenstand und Blau für etwas Essbares).

Die Rätsel-Karten gibt es – wie bereits erwähnt – in vier Schwierigkeitsstufen: Level 1 für Detektivanfänger, Level 2 für fortgeschrittene Detektive, Level 3 für erfahrene Detektive und schließlich Level 4 für Meisterdetektive. So können sich die Kinder allmählich steigern. Bei den meisten Rätseln geht es aber um Wörter und Buchstaben, weshalb Lesekenntnisse vorausgesetzt werden. Die Altersangabe ist mit “ab 7 Jahren” daher genau richtig gewählt, wenn auch die Jüngsten ab und an etwas Hilfe von Größeren brauchen.

Die Aufgaben lassen die Kinder übrigens in 9 verschiedene Welten eintauchen: Legenden & Geschichten, Piraten, Hexen, Geister, Geheimauftrag, Labor, Ermittlungen, Pyramide und Museum. Man kann zwar von einem einzelnen, kurzen Rätsel keine großartige Geschichte erwarten, meine Erfahrung hat aber gezeigt, dass so eine thematische Einbindung – und sei sie noch so gering – bei den Kindern sehr gut ankommt.

Mit “EXIT – Das Spiel” hat “Codebreaker” eigentlich herzlich wenig zu tun, insofern könnte man das Label “EXIT – Kids” fast als Etikettenschwindel bezeichnen. Trotzdem ist es ein adäquates Mittel, um jüngere Kinder zum Tüfteln zu bringen, sie behutsam ans Codeknacken und ans Rätsellösen heranzuführen und ihnen so den Weg für spätere “Escape Room”-Spiele zu ebnen.

Mir persönlich fehlt es jedoch ein wenig an Nachhaltigkeit, denn nach dem Lösen der letzten Aufgabe ist die Luft völlig draußen, und das Spiel verstaubt im Spielregal. Mehr als insgesamt 4 bis 5 Stunden Spiel- und Knobelspaß stecken nicht in der Schachtel. Das ist schade, denn gerade das elektronische Schloss ist eine tolle Sache. Vielleicht bringt Kosmos Spiele in Folge eine Erweiterung, wobei diese ruhig eine Spur komplexer ausfallen könnte, zum Beispiel durch Abenteuer, die aus 2 bis 3 Rätseln bestehen. Das Schloss ließe sich aber auch leicht in ein richtiges EXIT-Spiel integrieren. Ich finde, die Möglichkeiten dieses attraktiven Gimmicks sollten doch genutzt werden.

Wertung:

Von Franky Bayer

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